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title: "Von Sizilien zu den Sternen: Davide Marotta bringt die Bioproduktion in den Orbit"
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date: 2025-08-08
modified: 2025-08-10
lang: de
author: "Davide Sher"
description: "In einer Welt, die sich bemüht, die Grenzen der Wissenschaft neu zu definieren, war Davide Marottas Weg ins All alles andere als gewöhnlich. Aus einer Stadt zwischen alten Kathedralen und..."
categories:
  - "AM für die Raumfahrt"
  - "Biofabrikation"
  - "Bioprinting"
  - "Entscheidungsträger"
  - "Interviews mit Führungskräften"
  - "Luft- und Raumfahrt AM"
tags:
  - "Featured"
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# Von Sizilien zu den Sternen: Davide Marotta bringt die Bioproduktion in den Orbit

In einer Welt, die sich bemüht, die Grenzen der Wissenschaft neu zu definieren, war Davide Marottas Weg ins All alles andere als gewöhnlich. Aus einer Stadt zwischen alten Kathedralen und mediterranen Küsten stieg er – sowohl intellektuell als auch buchstäblich – in die niedrige Erdumlaufbahn auf und wurde zu einer zentralen Figur in einer biomedizinischen Revolution an Bord der Internationalen Raumstation (ISS). In seiner Arbeit für das ISS National Laboratory war er in den letzten Jahren an vielen der wichtigsten Entwicklungen im Bereich der biotechnologischen Produktion im Weltraum beteiligt.

Marottas akademische Laufbahn begann in seiner Heimatstadt, wo er an der Universität Palermo Molekular- und Zellbiologie studierte. Sein Umzug nach London war der Beginn einer internationalen Karriere. Am University College London erwarb er einen Master- und einen Doktortitel und widmete sich intensiv der neurodegenerativen Forschung. Nach Stationen in London und New York wurde seine Arbeit bei der New York Stem Cell Foundation zu einem Wendepunkt. Dort erforschte er Gehirnorganoide – dreidimensionale, dem Gehirn ähnliche Strukturen, die aus Patientenzellen gewonnen werden –, um Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer zu untersuchen. Diese grundlegende Arbeit führte zu einer kühnen Idee, als ein Partner vorschlug, Organoide ins All zu schicken. Zunächst klang das abwegig, wurde aber bald Realität. Marotta war an der Leitung von fünf separaten Missionen zur ISS beteiligt und leistete Pionierarbeit bei einer neuen Methode zur Kultivierung von Gehirnorganoiden in der Schwerelosigkeit, wobei er ein System einsetzte, das er und sein Team von Grund auf neu entwickelt hatten. Das Ergebnis war eine bahnbrechende Entdeckung: Gehirnzellen reiften im Weltraum schneller und vollständiger. Die Auswirkungen auf die Arzneimittelentwicklung und die neurologische Forschung waren enorm.

## Die letzte Hürde

Diese Durchbrüche machten Marotta auf das ISS National Lab aufmerksam, wo er zum Programmdirektor für In-Space Biomanufacturing ernannt wurde. Dort beaufsichtigte er Forschungsprojekte im Wert von über 58 Millionen Dollar und leitete komplexe Vorhaben, die sich mit der Frage befassten, wie Mikrogravitation die Gewebezüchtung, regenerative Medizin und Krebstherapie verbessern könnte. In dieser Funktion brachte Marotta Menschen mit einer gemeinsamen Vision zusammen. Eines seiner Hauptziele war es, die Silos zwischen Wissenschaft, Start-ups und kommerziellen Partnern aufzubrechen. Er gründete ein internationales Netzwerk von Innovationszentren, das Organisationen aus den Vereinigten Staaten, Ecuador, Saudi-Arabien, Italien und anderen Ländern miteinander verband. Diese Kooperationen führten zu echten Partnerschaften, innovativen wissenschaftlichen Methoden und potenziellen Therapien, die eines Tages Leben retten könnten.

Marotta unterstützte auch Astronauten und Wissenschaftler aus unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen. Er arbeitete eng mit Personen wie Rayyanah Barnawi zusammen, der ersten saudischen Astronautin, die in den Orbit flog. Sie war Missionsspezialistin an Bord der zweiten privaten Mission von Axiom Space auf der ISS. Zusammen mit Kommandantin Peggy Whitson, einer ehemaligen NASA-Astronautin, arbeitete sie an dem Krebsprojekt unter der Leitung von Dr. Catriona Jamieson vom Sanford Stem Cell Institute der UCSD.

Neben seiner Führungsarbeit war Marotta maßgeblich an einigen der innovativsten Bioprinting-Initiativen im Weltraum beteiligt. Er arbeitete mit Unternehmen wie Redwire zusammen, um [biologisch gedrucktes Meniskus- und Herzgewebe](https://www.voxelmatters.com/redwires-bff-3d-prints-first-human-knee-meniscus-on-the-iss/) zu entwickeln, sowie mit der Wake Forest University, wo er sich mit der Vaskularisierung von Leber und Nieren befasste. In der Schwerelosigkeit, wo sich Zellen nicht unter Gewicht absetzen oder komprimieren, bildeten sich diese Gewebe gleichmäßiger und effektiver. Er [arbeitete auch mit LambdaVision zusammen, einem Unternehmen, das Drucktechnologien für die Wiederherstellung von Netzhautgewebe entwickelt](https://www.voxelmatters.com/lambdavision-to-launch-new-in-space-bioprinting-study-on-artificial-retinas/). Im Weltraum, wo es keine Konvektion oder Luftvibrationen gibt, konnten sie über 200 Nanolagen Netzhautmaterial perfekt übereinanderlegen – etwas, das auf der Erde aufgrund der Instabilität der Schichtabscheidung nahezu unmöglich ist. Diese Innovationen sind keine Science-Fiction, sondern werden derzeit im Weltraum umgesetzt.

![Explore the journey of Davide Marotta, a pioneer in space biomanufacturing at the International Space Station National Laboratory and beyond](https://www.voxelmatters.com/wp-content/uploads/2025/08/IMG_6057.jpg)

In einer der vielversprechendsten Entwicklungen arbeitete Marotta mit Dr. Catriona Jamieson und dem Stanford Stem Cell Institute zusammen, um das Krebsmedikament Rebecsinib weiterzuentwickeln, das in [3D-Tumororganoiden an Bord der ISS getestet](https://www.voxelmatters.com/researchers-3d-print-tumors-to-advance-cancer-immunotherapy/) wurde. Das Medikament, das auf ein Molekül namens ADAR1 abzielt, hat von der FDA die Zulassung als neues Prüfpräparat erhalten und soll 2025 in die klinische Testphase eintreten. Diese Errungenschaft zeigt, dass biomedizinische Forschung im Weltraum nicht nur machbar ist, sondern bereits jetzt lebensrettendes Potenzial hat.

## Der dringende Bedarf an Innovation

Trotz dieser Erfolge ist Marottas Mission noch lange nicht beendet. Da die ISS voraussichtlich bis 2030 aus dem Orbit genommen wird – und aufgrund von Budgetbeschränkungen möglicherweise sogar noch früher –, ist die Zukunft der weltraumgestützten Bioproduktion in Gefahr. Ohne einen Ersatz im Orbit könnten Start-ups, Forscher und Biotech-Unternehmen, die für ihre wichtige Forschung und Entwicklung auf den Weltraum angewiesen sind, in eine existenzielle Krise geraten. Zwar arbeiten kommerzielle Stationen wie Vast und Axiom daran, diese Lücke zu füllen, doch die Zeit wird knapp. Und wie Marotta betont, ist Chinas Tian Gong-Station bereit, die Führung zu übernehmen, sollte der Westen ins Straucheln geraten. In nur wenigen Jahren hat das chinesische Raumfahrtprogramm unglaubliche Fortschritte in der biomedizinischen Forschung gemacht und westliche Konkurrenten in mehreren Bereichen bereits überholt.

Für Marotta ist die Lösung klar: weitere Investitionen, eine schnellere Bereitstellung kommerzieller Weltraumplattformen und ein stärkeres Engagement von Regierungen und Privatwirtschaft, um die Weltraumforschung als wichtige Infrastruktur zu betrachten. Zu seinen Traumaufgaben gehören möglicherweise die Zusammenarbeit mit der NASA und der ESA oder sogar die Funktion als globaler Verbindungsmann zur Koordinierung der internationalen biomedizinischen Zusammenarbeit im Orbit.

Außerhalb der Wissenschaft ist Marotta auch als Autor tätig. In seinem jüngsten Buch „[The Gravity of Innovation](https://www.amazon.com/Gravity-Innovation-Dr-Davide-Marotta/dp/B0F3RFHXD8)“ untersucht er, warum der Weltraum nicht nur die letzte Grenze ist, sondern auch die nächste große industrielle Revolution. Das Buch liefert überzeugende Argumente dafür, die Umlaufbahn nicht als Kuriosität, sondern als entscheidendes Instrument für den Fortschritt der Menschheit zu betrachten. Seine Botschaft ist einfach, aber kraftvoll: Die Weltraumforschung muss sich weiterhin darauf konzentrieren, den Menschen auf der Erde zu helfen.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem ISS National Lab unterstützt Marotta weiterhin Start-ups und Forschungsteams – oft ohne Bezahlung –, weil er glaubt, dass diese Arbeit zu wichtig ist, um sie einzustellen. Er setzt sich dafür ein, dieses Forschungsgebiet am Leben zu erhalten, die nächste Generation von Wissenschaftlern zu unterstützen und sicherzustellen, dass die Vorteile der Mikrogravitationsforschung für alle zugänglich sind.